::::: Anakrusis :::::

… bedeutet Auftakt und kommt ursprünglich aus der Musik. Für mich bedeutet Anakrusis der ständige „Auftakt“ ins Leben und die Lebensfreude.

Tour Brandenburg 2009 (16.08.-28.08.09)

1111 km rund um Brandenburg! Unendliche Weiten, schönes altes Gemäuer, wenig Menschen

Brandenburg an der Havel – Rathenow – Semlin – Wittenberge – Helle – Rheinsberg – Templin – Bad Freienwalde – Kersburger Schleuse – Peitz – Senftenberg – Cottbus – Herzberg – Luckenwalde – Brandenburg an der Havel

Die Hinfahrt von Tübingen nach Brandenburg an der Havel klappte reibungslos. Einzig die Fahrt im City Nightline war anfangs doch recht spannend in Anbetracht des fehlenden Radabteils, weshalb dort dann ALLE Räder die Plätze sowohl in den Gängen als auch in den einzelnen Abteilen oder sogar im Bett 😉 belegten.

Unsere beiden Räder jedenfalls hatten ein jedenfalls ein Luxusabteil nur für sich und einem kleinen Kinderrad. Wir vergnügten uns im 6er Schlafabteil mit einer ratternden und auf Sturm eingestellten Lüftung. Ohrstöpsel sei Dank bekam ich kaum etwas davon mit.

Entgegen unseren Erwartungen haben wir aber tatsächlich ganz gut geschlafen und sind gut in Berlin angekommen. Die Weiterfahrt nach Brandenburg a. d. Havel verlief problemlos, so dass wir dann auch sofort starten konnten.

1. Etappe: Brandenburg – Rathenow – Semlin (76 km) – einrollen

Frühmorgens gegen 8:15 Uhr kamen wir in Brandenburg a. d. Havel an. Irgendwie machten die ersten Meter mit dem Rad keinen sonderlich vertrauenserweckenden Eindruck. Hinter uns der marode aussehende Bahnhof, vor uns ein riesiger Plattenbau. Oje. Willkommen im Osten der Republik. (By the way: exakt dieser Bau sollte an unserem Abreisetag abgerissen werden!)

Das ausgestorben wirkende Brandenburg (es war Sonntag und dann auch noch früh morgens) haben wir uns dann nur kurz vom Fahrrad aus angeschaut, schließlich wollten wir heute noch ein wenig voran kommen. Ein Frühstück war nicht möglich, da (noch) nichts offen hatte.

Im nachhinein kann man sagen, dass es im Osten des Landes wohl die besten Straßen und Radwege gibt.Von über 1100 km mit dem Rad waren vielleicht 20 km auf schlechten Wegen zu fahr

Alle anderen Wege waren einfach nur traumhaft! Ich sag es ja nicht gerne, aber solch tollen Wege gibt es im Süden nicht (mehr). Leider. Die „Tour Brandenburg“ führte uns am ersten See der vielen weiteren auf dieser Reise entlang des Breitling Sees quer durch einen idyllischen Wald und die ersten Dörfer Kirchmöser und Plaue.

Von hier aus sind wir bei immer heißer werdendem Wetter über eine wenig befahrene Straße nach Havelsee und weiter nach Pritzerbe gefahren. Hier gab’s dann auch unsere erste Pause in einem sehr schönen Biergarten. Dort haben wir der freundlichen Bedienung erklärt, dass wir gerne ein „saures Radler“ trinken würden. Die erste hier oben im Osten, die nicht verstehen konnte, dass man das bei uns recht gerne trinkt. Ok, wir beide mit unserem „sauren“, also mineralwassergepanschtem Bier sind schon Exoten, „normales“ Radler kennt man ja schon ;-)Vom Biergarten aus erreichten wir just in time eine Havelfähre, die 2 min. später abfuhr! Weiter gings nach Jerchel und dann über eine wenig befahrene Straße nach Milow, bis wir schließlich Premnitz erreichten.

 

In Semlin fühlte man sich fast wie am Meer! Später legten wir noch einen kleinen unfreiwilligen Zwischenstopp in Rathenow ein, um eine Kleinigkeit zu essen, weil wir den Radweg nicht gleich gefunden hatten. Frisch gestärkt ging es dann weiter zu unserem ersten Ziel nach Semlin, welches wirklich wunderschön am See liegt. Der Ort hat „See-Charakter“.

Auch hatten die Preise der örtlichen Gasthäuser so ziemlich genau dasselbe Preisniveau wie in Spitzenlagen!

Von „günstig“ konnte man hier jedenfalls nicht reden. Wir haben uns dann noch ein wenig die Füße vertreten und sind noch einmal zum See gegangen.

Resumee der ersten Etappe: Landschaftlich sehr schöne Wege mit sehr guter Qualität. Leider lässt die Beschilderung noch einiges zu Wünschen übrig. Bei schlechter Beschilderung hat uns dann aber bisher (fast) immer der Bikelineführer geholfen.

Zimmer: sehr gut
Radunterbringung: gut
Frühstück: gut
Sonstiges: schönes Zimmer, nettes Ambiente, 200 m vom See entfernt
Preis für DZ: 60 Euro
Hotel/Pension: Pension Guthan’s Landhaus Semlin

2. Etappe: Rathenow – Semlin – Wittenberge (97 km)

Unsere zweite Etappe führt uns heute zu dem schönen Städtchen Wittenberge. Nach einem guten Frühstück fuhren wir los entlang des Hohenauer Sees durch den Ort mit dem wohl witzigsten Namen dieser Tour. Man muss sich den mal richtig langsam auf der Zunge zergehen lassen … W a s s e r s u p p e! Einer von vielen wirklich witzigen Ortsnamen, die es hier zu bestaunen gab!

Ganz süß ist auch Berlinchen oder Bräsinchen … und wenn man Göttin so liest, wie es erst mal jeder lesen würde, der nicht im Osten wohnt, dann muss ich sagen … Hut ab! Gefiel mir natürlich am besten 😉 Ab hier begann dann eine ziemlich langweilige Strecke. Dieser Weg führte uns eine kleine Ewigkeit über huckelige Betonpisten mit Löchern (sind auf dem Bild ein klein wenig zu sehen).

Eine schöne Abwechslung war dann das Örtchen Stölln, in dem Otto Lilienthal seinen ersten Flug unternahm und hier dann auch bei einem weiteren Flugversuch tödlich verunglückte.

Lilienthal zu Ehren fand 1989 auch eine IL 62 ihre letzte Verwendung auf dem Segelflugplatz. In dieser DDR/Sowjet Maschine ist eine kleine Lilienthal – Ausstellung und ein Standesamt untergebracht. Da Guido Lady Agnes – Sölln neugierig war, hat der Aufenthalt hier ein bisschen länger gedauert.

Im Gasthause „1. Flieger“, welches auch schon 1895 Lilienthal Unterkunft gewährte logierten wir dann auch kurz auf n Radler. Die Kellnerin war ein echter Klassiker. Nachdem Sie uns gefragt hat wo wie her kommen und was wir vorhaben – und wir ihr das natürlich auch erzählt haben – rotzte sie mit ihrer „Berliner Schnauze“, dass wir doch „bescheuert“ wären – wir hätten uns ja fast weggeschmissen 🙂

Nach Stölln folgte Rhinow, wo wir einmal mehr die Erfahrung machen mussten, dass es in einigen Geschäften (vor allem Bäckereien) noch immer nicht die erhoffte Auswahl gibt. Das war sowieso recht interessant. Mit Backwaren hat man es in Brandenburg nicht so sehr, das war sehr mager. Von Rhinow an wurde der Weg dann noch etwas langweiliger (ok, das ist wohl Geschmacksache), bis wir dann endlich in Havelberg ankamen.

Hier haben wir dann eine kleine Stadtrundfahrt gemacht und sind dann in einem kleinen netten Bett & Bike Biergarten eingekehrt, in dem wir sehr schmackhafte Pasta gegessen haben. Auch hier hat Annette auf Ihrer chamanten Art dem Wirt erklärt, was ein saures Radler ist. Auch wenn dieser uns angeguckt hat, als ob wir pervers wären, haben wir dennoch ein recht schmackhaftes „solches“ bekommen.

Ab Havelberg wurde es dann aber richtig schön und interessant. Zwischen der Havel und der Elbe führt eine Art Insel mit einem Damm in der Mitte. FlusslandschaftHierüber geht der Fahrradweg, wobei man noch eine wahnsinnig schöne Sicht auf viele Vögel hatte.

 

Die Stadt, in der die Havel in die Elbe mündet heißt Rühstädt (nö Guido, das ist bereits davor der Fall!) Diese ist aber nicht wegen dieses Umstands besuchenswert, sondern vielmehr wegen der vielen Störche hier. Die Stadt hat insgesamt 50 Nester und gilt somit als „Storchenstadt Nr. 1“ in Deutschland. Von Rühstadt fuhren wir dann weiter entlang der Elbe bis nach Wittenberge.

Diese Stadt sollte nach unserem Bikelineführer ein wahres Highlight sein, in dem sich eine Übernachtung lohnt. Da wir auch schon fast 100 km unterwegs waren, bot sich diese Stadt natürlich auch an. Unser erster Eindruck allerdings: Verfall und Plattenbauten, wohin man schaute. Das angepeilte Bett & Bike Hotel stellte sich als unansehnliche Bruchbude heraus.

So fuhren wir weiter und siehe da, haben wir dann doch noch die schönen Seiten dieser Stadt kennen gelernt und uns auch noch direkt mit Blick auf die Elbe in der Pension „Zum goldenen Anker“ eingemietet!

Das Zimmer als auch das gesamte Haus besticht durch seine Originalität. Alles ist ein bisschen verkitscht – aber auf eine sehr nette Art. Lediglich die Dusche ist zu bemängeln, da hier nur bei regem hin- und herspringen das Nasswerden gelingt.

Nach einem ausführlichen Stadtrundgang sind wir dann noch in das benachbarte Restaurant „Elbe“ eingekehrt und haben bei Flammkuchen und Spaghetti den schönen Abend ausklingen lassen.

Angeblich wird einem hier ein feudales Frühstück serviert. Ich bin daher gespannt, was morgen auf uns wartet!

Zimmer:  wunderschön und mit kleinen „Besonderheiten“ wie Fernglas auf dem Sims und netten Accesoires im Landhausstil
Radunterbringung:  sehr gut
Frühstück:  sehr gut – grandios!
Sonstiges:  siehe Zimmer!
Preis für DZ:  60 Euro
Hotel/Pension: Goldener Anker Wittenberge

3. Etappe 18.08.2009 Wittenberge – Helle (96 km)

Nach dem grandiosen Frühstück im „Goldenen Anker“ fuhren wir bei bewölktem Himmel entlang der Elbe in Richtung Lenze. Das bedeutete heute: 34 km Gegenwind. Dennoch war der Weg über Cumlosen und Lütkenwisch sehr schön (was kann der Wind denn auch dafür), da bei diesem bewölkten Himmel die wunderschöne Landschaft durch das Lichtspiel begeisterte.

Turnvater JahnIn Lenzen angekommen, haben wir uns auch auf eine kleine Einkehr gefreut, was leider wegen „nicht vorhanden“ ausfiele. Nachdem wir uns kurz die sehr schöne Kirche St. Katharina und Schilder über die Neugestaltung des Dorfes der letzten 20 Jahre seit Beginn der Wiedervereinigung angeschaut haben und uns ein netter Herr dort für Fragen zur Verfügung stand, mussten wir unsere anschließende Suche nach einem Café erfolglos abbrechen.

 

Ein absolutes Manko an dieser Stelle, zumal wir hier nicht die einzigen Radler waren (der Elberadweg liegt neben dem Dorf!). Auch diese waren auf der Suche nach einer kleinen Kräftigung auf ihrer Reise.

Nachdem wir aber einen Supermarkt gefunden hatten, in dem wir uns mit Kuchen und Brötchen eindecken konnten sind wir dann weiter gefahren (die 5 Radler, die mit uns vor der Kirche waren sind uns dabei gefolgt und taten es uns nach).

Am Anfang des Rudower Sees sahen wir noch ein Schild „Haus am See“ (Grüß Gott Herr Fox ;-)) – dies war für uns leider nicht zu erkennen, die Gaststädte hatte nämlich zu.

Störche überall.Am Ende des Sees, in Leuengarten sah es Cafetechnisch betrachtet genauso aus, so dass wir an einem Aussichtstürmchen ein kleine Pause gemacht haben und über unsere Einkäufe herfielen.

 

 

Von hier aus ging es über eine immer schlechter werdende Straße nach Boberow und dann durch die sehr idyllischen Dörfer Mankmuß, Laaslich und Dergenthin nach Perleberg. Hier fanden wir dann den sehnlichst erwarteten Biergarten. Wir ollen Biergarten-Junkies …

Nach nun gut 70 km auf den Rädern sahen wir dann ein Verkehrsschild: Wittenberge 17km. wie jetzt? Man hätte also die Schleife auch weglassen können, aaaber – der Weg hat sich aber definitiv gelohnt, landschaftlich super genial!

Bild: Radler Oase

Nach ca. 20 km kamen wir dann an einem Schild „Radler Oase“ in Klein Langerwisch bei Helle vorbei, was uns direkt ansprach.

Zudem war dieser Hof auch noch eine Bett & Bike Unterkunft, so dass wir in einer kleinen Ferienwohnung für insgesamt 40 € mit Frühstück einquartiert wurden. Zudem sind die Preise hier unschlagbar günstig, so dass das Biertrinken und Essen richtig Spaß macht. Wenngleich das Essen doch seeehr Geschmacksache war. Hauptsache, der Bauch ist voll 😉

Zimmer:  ok (beim Duschen kam leider nur kaltes Wasser)
Radunterbringung:  sehr gut
Frühstück:  gut
Sonstiges:  Unterkunft im Original-Bauernhof mit eigenem Gärtchen, Tisch und Stühlen, absolute Idylle
Preis für DZ:  mit 40 Euro unschlagbar
Hotel/Pension:  Radleroase Lilo Fortmann, Klein Langerwischer Weg 1, 16928 Helle

 
Dauerhaft geschlossen (Stand 9/2019)

4. Etappe 19.08.2009 Helle – Rheinsberg

Bei sehr schönem Wetter und nach einem ordentlichen Frühstück ging’s weiter auf bestem Radweg zunächst nach Pritzwalk. Eine sehr nette Stadt, die auch gut für eine Unterkunft gewesen wäre. Dennoch war die von uns getroffene Wahl „fernab aller Zivilisation“ zu bleiben die richtige. Nach einem kurzen Umschauen in Pritzwalk ging es dann über wenig befahrene Straßen von Sodenbeck nach Heiligengraben. Hier steht ein wirklich sehr schönes Backsteinkloster, was in jedem Fall einen Besuch wert ist.Kloster Heiligengraben.

Weiterfahrt entlang einer Bundesstraße nach Wittsock, wo wir dann auch endlich unsere Wasservorräte auffüllen konnten. Das war teilweise wirklich anstrengend, weil es kaum Supermärkte o. ä.zu finden gab!

Wittstock ist ebenfalls eine sehr schöne Stadt, in der man sieht, dass hier die Wirtschaft anscheinend besser funktioniert als in vielen anderen Orten, da hier weniger Zerfall zu sehen ist als anderswo. Nach kurzer Suche haben wir dann auch den Weg in Richtung Berlinchen gefunden. Hier ging es über einen der wenigen schlechten Fahrradwegen bis nach Sewekow.Ab hier fing der bisher schönste Wegabschnitt an. Über einen neu asphaltierten Weg ging es über viele Kilometer quer durch den Wald. In Zempow hat man den Wald kurz verlassen. Zempow ist dadurch aufgefallen, dass es gleich mehrere Bio-Bauernhöfe als auch als auch Ferienwohnungen gibt. Von hier aus ging es dann über einen weiteren sehr schönen und guten Waldweg in den „Flecken Zechlin“.

Dieser Flecken ist durch seine schöne Gestaltung als auch durch den See direkt am Dorfkern beachtenswert. Von hier aus fuhren wir über die stark befahrene 2 km lange Landstraße in das „Dorf Zechlin“, weiter dann über eine alte Bahntrasse – wiederum durch den Wald – bis nach Rheinsberg.

 

Schloss Rheinsberg In dieser Stadt erkennt man kaum noch die alte DDR. Das Schloss, welches vom jungen Friedrich II. umgebaut und bewohnt wurde ist sehr schön saniert und liegt wunderschön am See.

Ebenso ist die übrige Stadt sehr sehenswert – und touristisch. Hier gibt es sogar noch Fiaker … äh, Pferdekutschen.

Zudem ist es sehr schön nach einem Tag im zivilisatorischem „nichts“ wieder ein wenig Trubel um sich zu haben.

Im Hotel „Zum jungen Fritz“ haben wir ein recht schönes Zimmer mit einem guten Fahrradstellplatz gefunden. Leider gab’s in Rheinsberg keinen Italiener, obwohl wir sehr große Lust auf italienische Pasta gehabt hätten.

Statt dessen haben wir in einem wunderschönen Innenhof des Nachbargebäudes zu unseren Hotel ein sehr leckeres Restaurant gefunden, in dem wir den schönen Abend beschlossen haben.

Zimmer: gut
Radunterbringung: gut
Frühstück: sehr gut (reichhaltig und sehr schön dekoriert!)
Sonstiges: sehr nettes Ambiente, zentral gelegen
Preis für DZ: 73 Euro
Hotel/Pension: Zum Jungen Fritz

5. Etappe 20.08.2009 Rheinsberg – Templin (74 km)

Bei wahnsinnig heißem Wetter machten wir uns heute auf in Richtung Uckermark. Zum Glück verlief unser Weg die meiste Zeit durch den schönen brandenburgischen Wald. Direkt ab Rheinsberg hatten wir dann angenehmen Schatten von Stechlin bis nach Fürstenberg.

Hier hat uns der mittlerweile ungewohnte, weil sonst eigentlich auf der Tour Brandenburg kaum vorhandene – Verkehr so genervt, dass wir nur kurz die städtische Kirche von außen bewundert haben und dann direkt auf unserem Weg weiter gefahren sind. Uns war allerdings nicht bewusst, dass direkt neben Fürstenberg das KZ Ravensbrück liegt. Bild: KZ Ravensbrück

Da man leider bei solchen Gedenkstätten nie die Möglichkeit hat die Fahrräder sicher unterzustellen, haben wir die Gebäude jeder für sich besucht, was jedoch nicht zu empfehlen ist.

Bei diesen Horrorszenarien hatte bei jedem Zimmer, in das ich trat das dringende Bedürfnis an Ort und Stelle darüber zu reden! Danach war unser Redebedürfnis jedenfalls auf höchstem Level angelangt.

Nach Ravensbrück ging es dann weiter nach Himmelspfort, welches den Namen dem ehemaligen Kloster zu verdanken hat. Eigentlich auch der Hammer …. auf der einen Seite liegt ein KZ, einige Kilometer weiter kommt man in das „himmlische“ Himmelpfort! Immer noch aufgewühlt von unserem vorigen Besuch hatten wir jedoch auf eine ausgiebige Dorfbesichtigung wenig Lust.

Wir fuhren also weiter – über Lychen bis zu unserer Tagesetappe nach Templin. Hier haben wir im Hotel „Marktseenperle“ ein sehr nobles Zimmer für immerhin 83 € gefunden. Anlehnkerle

Der Stadtrundgang fiel ein wenig kürzer aus, da uns die Hitze an diesem Tag doch sehr zu schaffen gemacht hat und wir das nach der Ankunft in Templin erst so richtig bemerkten.

Gott sei Dank habe ich im hiesigen Fahrradgeschäft das Ersatzteil für meinen Pletscher Ständer gefunden. Dieser hat entweder wegen der Hitze – oder einfach so nachgegeben und wollte mit Gepäck nicht mehr stehen.

Bei einem kleinen Italiener haben wir in einem sehr lauschigen Innenhof leckere Nudeln gegessen und haben dann im hoteleigenen Biergarten noch ein überteuertes Bier getrunken.

In der Hoffnung, dass uns der morgige Tag nicht durch das Wetter verhagelt wird, werden wir den heutigen – immer noch heißen Tag – beschließen.

Zimmer: sehr gut
Radunterbringung: am Waschraum im Gebäude, leider nicht abgeschlossen!
Frühstück: sehr gut
Sonstiges: Personal war nicht dem selbst auferlegten Ambiente entsprechend (Tracht und dreckige Crocs, aufgesetzte Freundlichkeit)
Preis für DZ: 83 Euro
Hotel/Pension: Hotelpension Mühlenseeperle

  Dauerhaft geschlossen (Stand 9/2019)

6. Etappe 21.08.09: Templin – Bad Freienwalde (86 km)

Der Tag begann regnerisch. Heute morgen noch gegen 6 Uhr kam alles herunter, was noch zur Gattung „peitschender Regen“ gehörte. Dennoch ging es bei „nur ziemlich“ bewölktem Himmel und sehr guten Radlertemperaturen nach eine kurzen Kettenwartung am Gudereit los.

Zunächst düsten wir entlang des Lübbesees bis nach Gollin. Auch hier hatte der Weg durch den Wald wieder „Bilderbuchcharakter“. Wald ohne Ende

Allerdings musste man sich hier in der Gegend daran gewöhnen, dass die Beschilderung häufig nur auf die kürzeren lokalen Radwegen beschränkt sind, die „Tour Brandenburg“-Schilder fehlten gänzlich.

Danach führte uns der Fernweg über Reiersdorf nach Friedrichswalde. Hier war allerdings der Weg kurz vor Friedrichswalde komplett gesperrt, da eine neue Straße gebaut wird (wir fragen uns, für wen?????). Eine frühzeitige Ankündigung wie auch eine Umleitung fehlten gänzlich, so dass wir einfach durch die sandige Baustelle gefahren bzw. gerollt sind.

Außer dummen Blicken gab es keine Reaktion der Bauarbeiter, so dass wir mit sandigen Schuhen und versandeten Rädern in Friedrichswalde ankamen.

 

Von hier aus ging es dann nach Joachimsthal am See – ein kleines Päuschen mit Apfelschorle und Pflaumenkuchen musste nach dieser sandigen Fahrt einfach rausspringen.

Über Althüttendorf und Senftenhütte sind wir dann nach Chorin gekommen. Hier steht ein sehr imposantes Kloster – leider konnten wir auch hier unsere Räder nicht einfach alleine lassen :-(Kloster Chorin

Das ist ein großes Manko auf der ganzen Tour. Es gibt reichlich Sehenswürdigkeiten, die wir auch gerne angeschaut hätten. Nur denken die Veranstalter einfach nicht daran, dass man für die „Touren-Radler“ entweder bewachte oder abschließbare Radstellplätze schaffen sollte. In diesem Falle war es schließlich so, dass man bei der „Tour Brandenburg“ an wirklichen Schmuckstücken vorbeiradelte. Aber sollte es beim vorbeiradeln bleiben?

Von hier aus ging es dann über „normale“ Waldwege nach Niederfinow.

Hier hatten wir das Glück , beim Schiffshebewerk zu sehen, wie zwei Schiffe bestimmt 40 m in die Höhe gehoben wurden.

Schiffshebewerk Niederfinow

Das war schon schwer imposant, wie viel Stahl da so „easy“ bewegt werden, um eine Menge Wasser UND einige Boote hochzuhieven!

In Liepe haben wir in einem Landgasthaus noch einen leckeren Blaubeerkuchen gegessen und haben dann eine Abkürzung über Bralitz und Schiffsmühle nach Bad Freienwalde genommen. Hier haben wir dann Quartie im „Löwen“ bezogen.

Bild rechts: Hauswandmalerei

Busengrabscher 😉 – keine Sorge, alles nur gemalt! Aber das super ECHT!

Im Moment regnet es so sehr, dass es sogar durch das Fenster durchkommt. Wo sind wir hier denn gelandet???

Hauptsache morgen ist es wieder besser, zumindest „stimmen“ ja die Temperaturen. Da macht auch mal so n Tröpfchen Wasser nicht viel aus.

 

Zimmer: so la la (Fenster schloss nicht dicht, es regnete und wir mussten Handtuch auf Sims legen, weil das Wasser hereinlief)
Radunterbringung: ok – unter freiem Himmel, abgeschlossener Innenhof
Frühstück: gut
Sonstiges: Frühstückstisch musste selbst eingedeckt werden mit Besteck (?!)
Preis für DZ: 70 Euro
Hotel/Pension: Hotel/Pension Zum Löwen – Bad Freienwalde

7. Etappe 22.08.09: Bad Freienwalde – Kersdorfer Schleuse (bei Fürstenwalde-Spree) 108 km

Nachdem es Nachts noch ordentlich geregnet hat, war der Morgen bewölkt, aber trocken. So ging es dann auch wie immer auf den Weg.

Die Beschilderung hier in der Gegend war nach wie vor mäßig, so dass wir schon in Freienwalde die Übersicht verloren und ungewollt eine Abkürzung fuhren. Trotzdem kamen wir dann in Rathsdorf am Storchenmuseum vorbei, wo dann auch wie bestellt ein besonders schöner Vogel auf dem eingerichteten Horst saß!

Bild links: Kirchenruine in Wriezen

Nach dem Storchen-Museum ging es dann weiter in das schöne Städtchen Wriezen – welches noch schöner gewesen wäre, wenn uns übersichtliche Schilder auch wieder den Weg aus der Stadt gewiesen hätten!

Gleichwohl war alleine die Kirchenruine und der davor gelagerte Brunnen ein Besuch wert.

Nachdem wir ein paar Ehrenrunden drehten, dann aber doch noch aus Wriezen herausgefunden haben ging es stetig bergauf über Bliesdorf, Kunersdorf und Reichenow bis nach Strausberg.

In einem kleine Vorort – Klosterdorf – haben wir bei einem ganz tollen Bio-Bäcker Flammkuchen und Lammsbräu Bier getrunken (www.drachenbrot.de). Ein Abstecher zu diesem Bäcker ist in jedem Fall empfehlenswert.

Strausberg haben wir gleich links liegen lassen und sind entlang des Straussees auf die Suche nach dem Weg nach Rehfelde gegangen.

Das hat zunächst auch recht gut geklappt, aber aufgrund mangelhafter Beschilderung als auch ungenügender Aufmerksamkeit unserer Seite wurde diese Suche zur Odyssee für diesen Tag. Weia 🙁

Immer wieder durch Wälder mit durchweichtem Sandboden, der meine Kettenschaltung noch mehr zusetzte als sowieso schon, um dann noch immer nicht ans Ziel zu kommen. (Annette lächelte nur … bei ihrer Rohloff alles kein Problem … da knuspert lediglich mal die Kette).

Nach vielen Nachfragen und dem finalen Tipp eines besoffenen Jugendlichen haben wir dann doch noch den richtigen Weg gefunden, so dass der langweiligste Teil dieses Tages beginnen konnte. Immer entlang einer Hauptverkehrsstraße ging es über Zinndorf nach Kagel. Erst hier, am Liebenberger See, ging es wieder auf die bekannten abgelegenen Sträßchen, so dass wir uns entschieden eine kleine Pause einzulegen.

Bild: Päuschen am See

Auf einem Bootssteg haben wir dann unser Vesper gegessen (das wir beim Biobäcker gekauft hatten) und haben uns danach auf den Weg nach Fürstenwalde gemacht.

Fürstenwalde ist tatsächlich schon um einiges größer als die bisherigen Städte, so dass wir umso glücklicher waren, dass hier der Radweg endlich wieder hervorragend ausgeschildert war! Nachdem wir wussten, wie es weitergehen wird, haben wir uns noch einen kleinen Umweg durch die Innenstadt gemacht, was aber nicht sehr lohnte.

So ging es dann nach Bergenbrück und von hier aus über eine – auf jeden Fall nicht von Autos befahrene Straße. Dies wird hier so besonders erwähnt, weil diese Straße quer durch den Wald so gut ausgebaut war, dass es sich um eine Schnellstraße hätte handeln können. Dennoch haben wir über 5 km kein einziges Auto gesehen. Nachdem wir dann die Autobahnbrücke zur A12 (auf der im Übrigen auch gebaut wurde) überquerten, wurde der Weg dann auch schlechter und wandelte sich zu einem richtigen Waldweg. Nach noch einmal 4,5 km kamen wir dann endlich im Forsthaus an, dem Ziel unseres heutigen Tages.

Bild: am Forsthaus an der Spree

Die Unterkunft ist einfach und günstig und mutet ein wenig einer Jugendherberge an.

Wesentlich hieran ist vielmehr die Geschichte dieses Gebäudes. Eingekeilt zwischen Wäldern und der Spree, wurde dieses Forsthaus ab 1968 durch die Stasi enteignet und für die eigenen Zwecke umgewandelt.

Reste hiervon sind auch heute noch sehr gut zu erkennen. So gibt es einen abriegelbaren Innenhof und jede Menge Scheinwerfer, die im Zweifelsfall die Nacht zum Tag machen können.

Für mich ist aber noch interessanter ist die Tatsache, dass einige Kader der RAF hier ihre Einbürgerung inklusive neuer Legenden in die DDR bekommen haben und Leute wie Christian Klar durch die Stasi an Waffen ausgebildet worden sein sollen. Wer weiß, vielleicht schlafen wir heute im gleichen Zimmer wie damals die Terroristen.

Auf einer wunderschön gelegenen Terasse mit direktem Blick auf die Spree haben wir uns mit Bier und sehr gutem Essen gestärkt und fallen nach der bisher längsten Etappe dieser Tour müde ins Bett.

 

Zimmer: Jugendherbergscharakter… aber schöööön)
Radunterbringung: unter freiem Himmel, da war mir nicht sehr wohl!
Frühstück: gut
Sonstiges: Ambiente mit geschichtsträchtigem Stasi- als auch RAF-Hintergrund, superleckeres Abendessen
Preis für DZ: 44 Euro – unschlagbar!
Hotel/Pension: Hotel/Pension Forsthaus an der Spree – Briesen

8. Etappe Kersdorfer Schleuse – Peitz (85 km)

Von unserer sehr schönen Unterkunft mitten im Wald ging es als erstes in das sehr schöne Städtchen Beeskow. Hier haben wir direkt eine kleine Pause bei einer sehr guten Apfelsaftschorle gemacht.

Bild links: Beeskow

Ab hier begann dann eine seeeehr einsame Etappe. Immer entlang wenig befahrener Landstraßen oder asphaltierten Waldwegen ging es ohne die Möglichkeit zur Einkehr immer voran.

Bild rechts: Heidelandschaft

Zwischen Reicherskreuz und Pinnow fuhren wir dann durch eine wunderbare Heidelandschaft, wo eine so große Zahl von Eriken blühte, wie ich es noch nie gesehen habe. So weit das Auge reichte sah man die schönen Blüten zwischen einigen, wenigen Bäumen.

Von Pinnow aus ging’s dann weiter durch den Wald bis nach Tauer und dann unserem Tagesziel nach Peitz.

Hier haben wir uns dann den Festungssturm angeschaut, nachdem wir im Gasthaus „Zum Löwen“ Quartier bezogen hatten.

Mehr gab es hier dann auch nicht zu sehen. Im Festungsturm gab es allerdings noch einen sehr netten, älteren Herren, der mit sehr viel Humor die Geschichte und die Eigenarten des Turms erklärt hat. Ein echtes „Original“ eben.

Essen gab es nur im Hotel, was zwar sehr schmackhaft aber im ganzen zu fleischhaltig war. Ein Italiener wäre mir lieber gewesen (mein Guido …). Insgesamt hätte ich mir ein bisschen mehr von Peitz erhofft. Leider konnten wir nicht zu Fuß bis zu den Teichen laufen, weil es zu weit für unsere Flip-Flop beschuhten Füße war. Das werden wir dann aber morgen mit den Rädern nachholen und erkundschaften.

Zimmer: gut
Radunterbringung: gut
Frühstück: so la la
Sonstiges: lag direkt an einer viel befahrenen Hauptstraße
Preis für DZ: 60 Euro
Hotel/Pension: Hotel Löwen – Peitz

 

9. Etappe 24.08.09: Peitz – Senftenberg 102 km

Heute Morgen fuhren wir dann also zwischen den Peitzer Teichen hindurch nach Cottbus. Die Teiche hatten wir uns allerdings etwas „romantischer“ vorgestellt. Warum auch immer.

Einige Kilometer vor Cottbus waren bereits Schilder aufgestellt, die uns in die Innenstadt leiten sollten. Wir wunderten uns die ganze Zeit darüber, dass wir keine „Stadt“ sahen, sondern nur durch schöne grüne Ecken und Wälder fuhren. Und plötzlich waren wir in der Altstadt!!!! Wir haben eine kleine Stadtrundfahrt gestartet und waren nochmals überrascht, wie schön diese Stadt war!

Bild: Cottbus

Natürlich mussten wir dann noch in einem schönen Lokal (Mosquito) einkehren und eine Apfelsaftschorle trinken. Wir haben selten so etwas in der Gastronomie gesehen, das so dermaßen stylish war .. unglaublich!

Beim Gang zur Toilette setzte ich meine Füße in Zeitlupe durch die edlen Räume, um die tollen Räume richtig genießen zu können (und wir dann auch noch mit unseren ollen Radklamotten!)

Nach unserem Besuch in Cottbus ging es weiter zum Spremberger Stausee.

 

Kurz nach nach dem Ort Bräsinchen (wie süüüüüüß!) haben wir in einem kleinen Biergarten zu Mittag gegessen („Soljanka“ und Annette hatte ihre Liebe zu Kartoffeln mit Kräuterquark und Leinöl entdeckt).

Von hier aus ging es dann weiter nach Spremberg, das wir dann aber links liegen ließen und uns einmal mehr oder weniger verfahren haben. Wir sahen die „Umleitung“ nicht, also fuhren wir letztendlich 4 Kilometer länger als eigentlich hätte sein müssen. Nicht falsch verstehen, wir fahren auch gerne Kilometer mehr … manchmal sollten wir dann aber auch Umleitungen „sehen“ – auch wenn sie nicht explizit der „Tour Brandenburg“ gelten.

Der Weg ging zwar schön, aber schlecht ausgeschildert weiter. Entlang eines Vattenfall – Kraftwerks sind wir durch ein echtes Geisterdorf (Haidemühl) gekommen. Ab hier stimmte dann auch nichts mehr im Bikeline.

umher irren

Bild: Hier wächst Sanddorn aus dem Boden!

Die Karten scheinen doch recht veraltet gewesen zu sein, denn schon recht lang bestehende Baustellen und Umgehungen waren nicht eingezeichnet.

Dazu waren auch noch alte Bahntrassen eingezeichnet, die bestimmt auch schon ewig nicht mehr vorhanden sind.

Über Klein Partwitz ging es entlang dem Geierswalder Sees weiter zum Senftenberger See nach Senftenberg rein.

Hier dann der GAU – mir ist eine Speiche gerissen. Gott sei Dank haben wir auf dem Weg zu unserer Pension (Pension Mandy) ein Fahrradgeschäft gefunden (direkt gegenüber) zu dem ich morgen früh das Rad hinbringen kann.

Kuriosum in Senftenberg

In der Pension war kein Zimmer mehr frei – statt dessen aber eine riesige Ferienwohnung! Suuuuper! Da kann man sich dann so richtig ausbreiten.

Der Wirt war auch sehr nett, so dass wir hier rund herum zufrieden sein können. In der Hoffnung, dass der Tag morgen gut wird, beenden wir den heutigen Tag.

So viel auch tagsüber am „Strand“ los war, abends war davon nicht mehr so viel zu sehen. Klasse fanden wir es heute, dass es eine Vielzahl von Abschnitten am Senftenberger See gibt wie bspw. Textilfreie und Textile Zonen.

Zimmer: großes, schönes Appartement
Radunterbringung: sehr gut
Frühstück: sehr gut
Sonstiges: supernettes Ambiente, freundliches Personal – wird mit Herzblut betrieben
Preis für DZ: 65 Euro (günstiger für Radler!!!)
Hotel/Pension: Pension Mandy -Senftenberg

 

10. Etappe 25.08.09: Senftenberg – Herzberg 92 km

Heute ging es erst um 11:00 Uhr los, weil ich so lange auf mein Fahrrad warten musste. Herr Slomka hat aber alles gerichtet (anscheinend sogar einen Höhenschlag) und ich bin mit 21,00 € sehr günstig aus dieser Misere heraus gekommen.

Während unserer Wartezeit haben wir dann noch versucht ein Zugticket zu bekommen, was leider fehlgeschlagen ist. Zuerst sind wir zum Bahnhof gegangen, wo es leider keinen Schalter, sondern nur einen Automaten gab. Da haben wir zwar eine Verbindung gfunden – aber nur ohne Fahrrad. Also ins Reisebüro, wo eine nicht so ganz fachkundige – aber sehr nette Frau keine passende Verbindung gefunden hat.

 

Nachdem ich dann endlich mein Fahrrad wieder hatte, haben wir die riesige Ferienwohnung geräumt und haben uns mit einem ziemlich schnellen Tempo wieder auf den Weg gemacht.

Es ging immer entlang der „Schwarzen Elster“, einen sehr langweiligen, begradigten Fluss, der bei dem Heißen Wetter kaum eine „tierische“ Abwechslung bot. So ging es bis nach Herzberg weiter, lediglich unterbrochen durch die „Elstermühle“, in der wir zum Mittagessen eingekehrt sind und einer „Fahrradbefragung“, die kurz vor Elsterwerda stattfand. Hier hatten wir dann die Möglichkeit, einige Fragen zu beantworten und einige Erfahrungen aus den vergangenen 800 km Preis zu geben. Leider gab es keine Frage, was verbesserungswürdig wäre.

Angekommen in Herzberg waren wir zunächst wieder vom Zustand der Stadt beeindruckt und dann erschrocken, dass anscheinend die ganze Stadt ausgebucht war! Uns half dann aber ein ausgebuchter Wirt, ein Zimmer in der „Nordklause“ zu finden. Die Räder wurden in einer Garage untergebracht – aber nicht sofort, was Annette dann doch beunruhigte und sie von insgesamt drei Leuten beruhigt werden musste.

Zimmer: gut
Radunterbringung: in Garage, aber unabgeschlossen wegen nebenstehender Catering-Küche
Frühstück: wenig Auswahl
Sonstiges:
Preis für DZ: 60 Euro
Hotel/Pension: Nordklause, Kaxdorfer Weg 8A, 04916 Herzberg (Elster)

 
Dauerhaft geschlossen (Stand: 9/2019)

11. Etappe 26.08.09: Herzberg – Luckenwalde (82 km)

Nachdem wir in der Nordklause gestartet sind, ging es den gleichen Weg zurück wie gestern. Dabei haben wir uns zunächst kurz verfahren und sind dann wieder durch den Stadtpark auf die Tour gekommen. Zu unserer Überraschung ging dann nach einigen km der Weg direkt am Hotel vorbei. Leider an der Rückseite des Hotels – sonst hätten wir es ja auch gesehen.

auf zur Schwarzen Elster

Danach fuhren wir zunächst noch einmal an der Schwarzen Elster entlang.

Diesen haben wir dann kurz nach Herzberg verlassen und der Weg ging dann nach wenigen Kilometern auf einen so genannten Skaterkurs (Fläming-Skate) weiter.

Dieser entwickelte sich jedoch zu einer hervorragenden Stecke, die uns bis nach Luckenwalde begleitete.

Die Skatestrecke hat eine gesamte Länge von mehr als 200 km, auf 60 km davon sind wir bereits gefahren. Die Wegequalität hier ist der absolute Hammer!

In Petkus haben wir unsere Mittagspause im Lokal „Roggenkönig“ eingelegt und haben neben der obligatorischen Apfelschorle auch etwas gegessen. Das kann man leider nicht weiter empfehlen. Meine Nudeln in Pilzrahmsauce schmeckten wie ein Fertiggericht. Annettes Salat musste auf dem Teller angemacht werden. Also alles in allem hatte der Koch heute einen schlechten Tag.

Bild: Kirche in Luckenwalde

Danach ging es dann weiter nach Luckenwalde. Hier haben wir dann nach kurzem Suchen das Hotel Pelikan gefunden.

Eigentlich hatten wir vor, den Tag in den Fläming Thermen zu verbringen.

Leider hat Annette zwischenzeitlich eine Art Sonnenallergie an den Händen und Armen, denen zu viel Wasser als auch Hitze wie in der Sauna nicht unbedingt gut tut.

Daher haben wir einfach die Stadt ein wenig angeschaut und waren etwas enttäuscht darüber, wie wenig es sich hier anzugucken gibt.

Schön, dass wir von unserem Hotelwirt den WLAN Schlüssel bekamen, so dass wir uns später im Hotel in Ruhe nach einer Zugverbindung umschauen konnten.

Weil wir dann doch noch ein bisschen raus wollten haben wir dann noch was in einem indisch-italienischen Restaurant gegessen (sehr Lecker) und sind dann – mit einem viel zu vollen Bauch – ins Hotel zurück.

Bild: Der Vierseithof in Luckenwalde

 

Zimmer: gut
Radunterbringung: abgeschlossen und überdacht, sehr gut
Frühstück: ok – gegen 8:15 war das Büfett schon recht ausgedünnt und wurde nicht wieder aufgefüllt
Sonstiges: WLAN
Preis für DZ: 70 Euro
Hotel/Pension: Hotel Pelikan – Luckenwalde

12. Etappe: Luckenwalde – Startpunkt Brandenburg an der Havel (108 km)

Zur heutigen Etappe gibt es nur zu sagen, dass wir diese einfach nur stramm durchgefahren sind, das letzte Stück der Strecke auf einer Bundesstraße. Und zwar AUF dieser! Wenn auch nur für ca. 2 km – das war die absolute Horrorfahrt! Dieses letzte Stück fuhren wir in Richtung Brandenburg, links neben der B verlief der Radweg. Und plötzlich …. hörte dieser einfach auf, eine Markierung von der Straße weg in diesen Radweg erfolgte von der selben Seite, soll heißen: Wir mussten irgendwie auf die andere Straßenseite kommen!

Das Problem dabei war nur, dass die Straße mehr als VOLL war. Herrje, was ist denen bloß da eingefallen? So etwas können nur Leute planen, die keinen Plan vom Radfahren haben – und sich eben diese am liebsten UNTER einem Auto sehen Schreien

Bild: Pension am Jungfernstieg in Brandenburg

Schlussendlich sind wir dann aber gut in Brandenburg angekommen und sind zum Bahnhof gefahren, um für den nächsten Tag Tickets zu holen. Im übrigen fuhren wir mit einem „Quer-durchs-Land-Ticket“ für 41 Euro einmal quer durch Deutschland nach Hause.

Nachdem Guido die Tickets hatte machten wir uns auch gleich auf die Suche nach unserer letzten Unterkunft auf unserer Reise, der Pension am Jungfernstieg, einmal mehr eine Bett & Bike Unterkunft.

Und meiner Meinung nach auch die schönste. Nicht, weil das Zimmer jetzt besonders schön war – das Ambiente war einfach großartig!

Nachdem wir uns geduscht hatten machten wir uns bei strahlend blauem Himmel auf in Richtung „Inder“. Der wurde uns vom Hauswirt ans Herz gelegt. Und was soll ich sagen. Ein klasse Tipp! Das Essen war wunderbar, wir waren Gott sei Dank frühzeitig dort, kurze Zeit später hätten wir keinen Platz mehr ergattert.

Später schauten wir uns das Städtchen noch ein wenig an – schade, dass es schon so frühzeitig dunkel wurde! Die Brücke über der Havel und die schönen Häuser am Fluß sowie die Gastronomie an eben dieser Stelle wie wir sie sahen erinnerten uns doch stark an unser Tübingen 🙂

Toll war jedenfalls, dass so viel los war an diesem Abend. Das lag aber vor allem auch daran, weil eine riesige „Shopping-Mall“ in der Stadt neu aufgemacht hatte. Den Abend ließen wir in der wohl besten Eisdiele der Stadt ausklingen. Wir kamen bei soviel um uns herum servierten Eisbecher gar nicht mehr aus dem Staunen heraus.

 

Zimmer: sehr gut (nostalgisches, nettes Ambiente)
Radunterbringung: sehr gut
Frühstück: wunderbar – liebevoll hergerichtet, wunderschöner Frühstücksraum, sehr netter Gastwirt
Sonstiges: liebevoll eingerichtetes Altstadtgebäude
Preis für DZ: 55 Euro
Hotel/Pension: Pension am Jungfernstieg – Brandenburg an der Havel

Nachlese …

Unendliche Weiten, tolle Seen, schattenspendende Wälder, wunderbare Flora, tolle Steinkirchen und viel unberührte Natur … absolutes Highlight der letzten 12 Tage … die WAHNSINNIG GUTEN WEGE in Brandenburg! Na ja, ich freute mich (teilweise), dass der in den letzten 20 Jahren von mir einbezahlte Soli irgendwo auf diesen Strecken lag und von uns befahren werden durfte 😉 . Zur Tour ist noch zu sagen, dass sie für unseren Geschmack einfach ein klein wenig zu lange geraten ist. Nicht, weil wir nicht gerne so lange radeln, sondern weil irgendwann einfach „alles schon da war“. Hört sich blöd an, aber bisherige geradelte Strecken veränderten sich alle 100 km mehr.

Etwas nervtötend war auch, dass der Bikeline-Radführer zur Tour von 2007 bereits komplett veraltet war. Teilweise gab es die Straßen nicht mehr, es wurde immer und überall noch gebaut. Es gab für Radfahrer kaum Umleitungsempfehlungen (SCHWACH!), was im Osten doch etwas problematischer war, da man auch gut mal 10-13 Kilometer fuhr, OHNE einen Ort anzutreffen. Wenn man dann nicht weiß, ob man richtig ist, weil einfach die Schilder fehlen, kann es schnell stressig werden, vor allem, wenn es schon später am Tag ist und man noch irgendwo eine Unterkunft benötigt.

Team Anakrusis

Annette Partz

radreisebegeisterte, klarinette-querflöte-saxophon-spielende, sportverrückte Spackerin

Menschen, die nicht fähig sind zur Reflexion sind die Pest dieser Zivilisation.

Guido Bloszyk

Lieblingsmensch

Wir müssen nichts machen wie wir’s kennen, nur weil wir’s kennen wie wir’s kennen!