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Seite 5 von 6 17.02.02"Auf dem verlorenen Weg" – Höllentour na Sa Foradada
Bis heute dachte ich, dass wir unsere schwersten Touren bereits zu Anfang unseres Urlaubs gewandert sind. Über die heutige Tour stand in beiden Wanderführern auch nur, dass es zum Teil weglos über Felsen und Geröllhalden geht, der ursprüngliche Weg durch Bergrutsche teilweise verschüttet ist und dass Trittsicherheit Voraussetzung sei. Des weiteren dauere diese (Tor)Tour HIN + ZURÜCK 3 Stunden!!! Also beim besten Willen, wir sind beide geschockt ob diesen Angaben, zumal die sonstigen Touren bisher sehr gut und was die Gehzeiten anging auch ziemlich genau waren. Aber, alles von vorne. Schade, dieses Hostal Ca'n Mario ist mir trotz vortäglicher Ameisen-Invasion ans Herz gewachsen. Wenn auch der bröselige Teppichboden bestimmt über 1000 Ameisenleichen beherbergt, so ist die Einrichtung doch eine sehr liebevolle. Und das Bett ist herrlich bequem. Wir standen relativ spät auf, es war schon gegen 8:30 Uhr, gegen 9 Uhr nahmen wir dann unser letztes Frühstück in Valldemossa ein. Draussen musste ich noch unbedingt ein paar Bilder von den -an wirklich allen Häusern hängenden Blumentöpfen- machen, die mit ihren unterschiedlichen Pflänzlein so klasse aussahen. Danach machten wir uns dann auf den Weg zum Port de Valldemossa, der uns die Serpentinen hinunter führte. Überall dort sahen wir den "Kleinen Aronstab", der wie ein Orchideengewächs aussieht.. Eine ¾ Stunde später ging's dann am "Kilometerstein 4" nach einer gemauerten Einfahrt los. Kurze Zeit weiter kamen wir an dem Gutshof Sa Font Figuera vorbei, dann an dem ehemaligen Weingut S'Estaca. | Irgendwie hielt mich Jeanette mit ihrer Aussage "die Zinnen auf dem Haus passen da irgendwie nicht recht da hin" davon ab, die einstmals Erzherzog Ludwig Salvators gehörende und heute (was ich allerdings erst einige hundert Meter weiter nachgelesen habe!) Michael Douglas! gehörende Villa zu fotografieren, obwohl sie wirklich wunderschön anzuschauen war. <grummel> Noch befinden wir uns auf einen tollen "Sonntag-Nachmittag-Spaziergang", der nichts Böses ahnen lässt. Doch schon bald sollte es so richtig heftig zur Sache gehen. Dieses Mal machten wir schon frühzeitig eine Rast, weil uns der Baumstamm, der vor uns auf dem Weg lag, so lieb eingeladen hatte, auf seinem Rücken eine Kleinigkeit zu essen. Es gab Orangen, nein, keine geklauten! Dazu Vollkornbrötchen von gestern. Lecker. Der Pfad führte uns hinunter ans Meer, wo unsere Kletterpartie jetzt beginnen sollte. Es ging über Felsen, Stein- und Geröllfelder und abgestürzte Baumstämme. Diese zum Teil halsbrecherische Kraxelei dauerte gute zwei Stunden, mal unterbrochen von einer "Meeresbrandung-Staunen-Runde", oder dem Knutschen eines Felsens (irgendwie habe ich nicht mitbekommen, dass dieser tolle Fels noch einen kleinen Arm hatte, der mein Knie nicht ganz so sehr liebkoste, wie ich es mir evtl. gewünscht hätte. Aber mein Aufschrei ging sozusagen im Meerestosen unter) oder aber davon, dass mir meine seitlich angebrachte Flasche runterfiel. |
Diese hatte sich wenigstens nicht "nach unten" begeben, so dass ich sie holen konnte. Jeanette bot mir dann an, diese in ihrem Rucksack zu transportieren, was ich gerne annahm. Ich stand dann mit dem einen Bein auf einem Felsstück und mit dem anderen auf dem nächsten und verstaute die Flasche in den Rucksack. Das blöde war dann allerdings, nachdem dies passiert war, dass ich nach UNTEN schaute und mir so schwindlig wurde, dass ich mich schnell an einem Stein festhalten musste, um nicht abzustürzen. Tssss. Nun denn, schliesslich und endlich (von wegen) kamen wir an eine Stelle, an der Steinmännchen den Weg nach oben wiesen. Aber - konnte dies wirklich sein? Ich habe meinen Augen nicht getraut. DA sollten wir hoch??? Wo bitteschön soll man sich hier fest halten? Dies soll der Weg sein? Man MUSSTE sich richtiggehend festkrallen. An hervorstehenden Baumwurzeln und an kleinen Bäumchen! "einfach so" kam man nicht hoch, also, vorsichtiges vortasten zur nächsten Wurzeln, probieren, ob sie hält, die nächste Möglichkeit suchen, weiter. Die ersten Meter liessen sich dann eigentlich ganz gut bewältigen, dann aber ging's so richtig zur Sache. Da kommt ein Felsvorsprung, an dem es gilt, Griff"mulden" zu finden und sich daran hoch zu ziehen. Das war dann das letzte Mal, dass ich nach unten geschaut habe. In mir kam leichte Panik auf, die es galt, gleich wieder zu unterdrücken um nicht abzustürzen. | Ich bekam diese Panik vorerst tatsächlich aus dem Kopf , schliesslich galt es, vorwärts zu kommen, was auch gelang. Der Schock war jedoch gross, als wir feststellen mussten, dass es jetzt weder hinauf NOCH hinab ging (obwohl, ein Tritt hätte genügt!), so dass wir uns auf der bisher geschafften Höhe weiterbewegten, bis wir an ein Geröllfeld kamen und ich nur noch hinunter wollte. Auf dieser Strecke bis hierher hatten bereits zwei Ziegen (die ja bekanntlich Kletterkünstler sind) ihr Leben gelassen, was wir an herumliegenden Knochen ausmachen konnten. Jeanette stieg dann vor (rückwärts) und brach mit einem Fuss weg - und fiel! Ich konnte mich in diesem Augenblick kaum unter Kontrolle bringen und zitterte am ganzen Körper. Aber sie hatte sich gleich wieder gefangen! Dann - nach beruhigenden Worten von ihr, passierte etwas schreckliches - wie in Zeitlupe. Ich versuchte mich an einem Stein festzuhalten, dieser brach ab und dann nahm ich war, wie ich gaaanz langsam rückwärts zu fallen begann! Jeanette drückte mein Schienbein geistesgegenwärtig zurück an die Wand, so dass ich mich auch wieder fing. Meine 13kg Rucksackgepäck hatte ich wohl nicht richtig eingeschätzt. Das war ein sehr schlimmer Augenblick für mich. Pffff... aber es ging weiter und wir schafften es wieder über die Felsen hinweg vorzusteigen. Irgendwann dann (zeitlich hatte ich keinen Anhaltspunkt mehr) hatten wir es dann aber geschafft und wir fanden dann auch den richtigen Pfad nach oben. Nun konnte auch wieder der Ausblick auf Sa Foradada mit seinem genialen "Felsdurchbruch" genossen werden. Auf diesem Geröllpfad stiegen wir dann langsam wieder die Serpentinen hoch. Jeanettchen, die in brenzligen Situationen bisher immer ganz cool blieb und nie die Nerven verlor, war nun aber deutlich anzumerken, dass ihre Kräfte nachliessen und sie ein wenig damit haushalten musste. Mir ging es kräftetechnisch wunderbar (dem Krafttraining sei Dank), nur emotional spürte ich meine grosse Angst die ich heute schon 2x hatte jetzt richtig bewusst. Gegen 16:30 Uhr hatten wir es dann bis zum Herrenhaus Son Marroig geschafft. | Dieser letzte Abschnitt war jedoch wieder so richtig was für mich. Da sah man pittoreske Olivenbäumchen , mitten darin ein Schafherde mit kleinen Lämmern, meine Lieblingsbüsche von denen ich bis heute den Namen nicht weiss(!), die sich hier an diesem Streckenabschnitt zwischen Valldemossa und Deia um einiges grösser wachsen als in den Bergen und dann war da noch dieser faszinierend anzuschauende Fels , der so zerklüftet und auseinander gerissen aussah wie ein aufgegangener Hefeteig! Und dazu leuchtete alles noch herrlich in allen erdenklichen Erdtönen. Wunderbar.
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