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15.02.02 Vom Refugi Tossal Verds zum Kloster Lluc Nach einem eher minimalen Frühstück heute morgen (aus Ermangelung an richtigem Brot gab es Zwieback!)), ging es dann gegen 10 Uhr wieder los, um ein weiteres kleines Stück der Tramuntana kennen zu lernen. Unsere heutige Tour führt uns nach Lluc, was berühmt ist für sein Kloster mit der schwarzen Madonna. Diese Tour wird als eine der eindrucksvollsten und schönsten in der Serra beschrieben, was wir gerne glauben. Leider hatten wir heute das Pech -nach anfänglich herrlichem Wetter- die meiste Zeit mit Graupelschauern begleitet und umgeben von Nebel die Tour zu wandern. |  Über den Talhang entlang habem wir noch zu Anfang einen wundervollen Ausblick auf das Tossals Verds Gebirge, vor uns liegt das Gebirge des Massanella. Wir begegnen den ersten "Rotrücken-Schafen" mit Kuhglöckchen um den Hals. Rotrücken-Schafe? Ja, die hatten wir wegen ihrer Markierung so genannt. Wirklich schön sah das allerdings nicht aus. Nach dem ersten Graupelschauer war ich ein wenig irritiert, hatte ich doch eigentlich immer nur davon im Wetterbericht gehört. Dass das so irre aussieht, wie diese kleinen Kügelchen auf den Rucksack fallen und sogleich wieder von dort abprallen fand ich dann doch sehr faszinierend. Ein wenig mulmig war mir dann doch, als es plötzlich nur noch weiss auf dem Weg war. Aber durch diese Form des Eises war der Tritt darauf überhaupt nicht rutschig, so dass wir ohne weiter zu überlegen weiterzogen. Die Wetterlage wechselte in Minutenabständen von Graupel, über wolkenfreien und letztendlich dann doch wieder Wolken verhangenem Himmel. Einige Zeit später trafen wir dann auf freilaufende Esel, die mich -wie immer halt- so völlig entzückten und mit denen ich dann auch schon nach ein paar Minuten Freundschaft schloss. | Einer von den süssen fand mich dann wohl auch zum Anknabbern, er kam auf mich zu, blinzelte mich verführerisch an- und biss mir in meine schweineteure Jacke! Aaargh... Gott sei Dank war aber ausser dem lecker aussehenden und mengenmässig wirklich viel an meiner Jacke hängenden Esel-Speichels nichts verrissen, allerdings bekam das Eselchen dann einen etwas weniger verführerischen Blick von mir zurück in diese Glutaugen! Wir durchwanderten einen schönen Steineichenwald, der einen an frühere Märchengeschichten erinnerte, bis es dann wieder geballt von oben heruntergraupelte. Die verschiedenen Köhlerstellen, die es hier in der Tramuntana zuhauf gibt, liessen wir deshalb "links" liegen. Ausser einem bedeckten weissen Boden konnte man da nämlich leider nicht all zu viel erkennen. Wenig später konnten wir aber im Massanella-Massiv ein imposantes Äquadukt bestaunen, das man bei guten Wetter hätte aus näherem anschauen können. Von dieser Stelle aus hätten wir jetzt eigentlich nur eine Stunde bis zum Pass gebraucht, aus dem jedoch wegen total schlechter Sicht und unzulänglichen Wegmarkierungen über zwei Stunden wurden! Auch verliert sich der Pfad immer wieder im Gestrüpp, umher"gestreuten" Fels und Gras, so dass eine ordentliche Wegbegehung nicht möglich ist. Problematisch wird es kurz vor der Passüberquerung, als wir fast nichts mehr sehen. Wir sind nur damit beschäftigt, die Steinmännchen (Markierungen) aus zu machen, was allerdings keine einfache Aufgabe ist. Mittlerweile regnet es und die Feuchte dringt langsam aber stetig in uns ein. Einmal bleiben wir stehen, wollen uns kurz ausruhen, was wir jedoch nach 5min. wieder verwerfen, weil man hier im eisigen Wind und in angenässter Kleidung sehr schnell ins Frieren kommt. Das erste Mal drängt sich in mir der Gedanke auf, Jeanette zur Rückkehr zu bewegen. Aber - noch mal 2 Stunden im hohen Dissgras zurück? Zumal der Blick nach hinten unten auch nichts besseres verheisst als der Blick nach vorne. Aber wir müssen es bald geschafft haben. Nur - wo ist diese Trockenmauer, die uns am Pass erwarten soll? | Ich gebe uns noch 10min. Jeanette ist am Suchen, cool, über alles erhaben, ohne Angst. Ich bewundere ihre Sorgenlosigkeit! Und dann.... yeah! Wir haben es geschafft. Die Trockenmauer liegt tatsächlich vor uns und ein "ordentlicher" Weg ist jetzt auch wieder zu erkennen. Was bin ich froh darüber und mein Herz macht einen grossen Satz. | Hinter der Passhöhe geht es nun endlich wieder bergab. Wir kommen an einem Schneehaus vorbei.(hier wurde bis in die 20er Jahre Schnee bis in den Sommer hinein zur Kühlung von Speisen und Getränken aufbewahrt) Ich freue mich tierisch und bin wieder vollen Mutes darüber, dass wir es über diesen Pass geschafft haben. Ja sicher - bei guter Sicht stellt dieser nun wirklich keinerlei Problem dar, aber so "blind" war das schon ein wenig nervenaufreibend für mich. Bald erreichen wir dann auch wieder die Baumgrenze. Es ist schon herrlich anzuschauen, wie sich aus anfänglichen kleinen Grasbüschelchen wieder grösser werdende Büschel werden und man dann noch weiter unten wieder die Baumgrenze erreicht. Wir kommen an der Finca Coma Freda vorbei und fragen uns, ob wir heute für die Durchquerung des Privatgeländes eine Maut bezahlen müssen wie es auf einem Baum angeschrieben war. Aber, wer ist schon so irre und wandert bei diesen widrigen Wetterverhältnissen -ausser uns. Der Mauteintreiber lässt sich jedenfalls nicht blicken und als wir die Stiege neben dem Gatter hochsteigen wollen ist diese mit Ästen versperrt. Tssss. So hält man also hier Wanderer vom Eindringen ab. Einige Minuten später erreichen wir eine Brücke und sehen das erste Mal seit unserem Aufbruch heute morgen wieder menschliche Wesen... auf so komischen Eseln aus Draht. Dort rechts findet sich eine Tankstelle und daneben ein Restaurant. Uns wird just in diesem Augenblick bewusst, dass wir (wie immer!) mächtigen Kohldampf haben! Nichts wie rein, setzen, etwas essen und trinken. Zivilisation. Komisch eigentlich, dass man diese nach solch kurzer Zeit des einsamen Wanderns dann doch willkommen heissen kann. Leider bekommen wir noch nichts zu essen, was aber nach einem leckeren, heissen Café con Leche auch nicht mehr ganz so schlimm ist. Wir haben jetzt nur noch etwa 20min. bis zum Kloster Lluc zu gehen. Was ist das schon - nach bereits 6 Stunden Fussmarsch? | Endlich angekommen. Das Kloster sieht "einfach" aus. Es gibt hier nichts pompöses, erschlagendes, was ich als sehr angenehm empfinde. Unser Zimmer ist genau so einfach eingerichtet und wir haben sogar ein Bad mit dabei! Wunderbar. Die erste Tat... duschen. Nach einer Dusche fühlt man sich doch gleich wieder wie ein neuer Mensch. Wir erkunden dann nicht sogleich das Kloster, sondern steuern zielstrebig auf das dazu gehörende Restaurant zu. Unser Hunger nimmt mittlerweile Dimensionen an, der keinen anderen Gedanken mehr zulässt als: essen, essen, essen etc. der Abend im Kloster Lluc: Nicht schlecht, aber auch nicht sooo supertoll wie in manchen Reiseführern gelobt war unser Kloster-Abendessen. Bei Jeanette gab es Lamm, bei mir Schwertfisch. Zumindest hat es unsere Mägen gefüllt und wir fühlten uns danach wunderbar. Einige Zeit später stand dann plötzlich ein junger Mann neben unserem Tisch und fragte uns, ob er sich zu uns setzen dürfe. Wir seien ihm aufgefallen, weil wir NICHT rauchen und KEINEN Alkohol tränken. Diese Aussage hat uns doch sehr verwundert, mich aber auch ziemlich neugierig gemacht. Er ist ganz alleine hier nach Mallorca gekommen, gerade mal 22 Jahre jung. Klaro, da musste ich einfach weiterbohren, weshalb und warum. Er sei gläubiger Katholik, hätte sich mal zu einem "Medium" begeben, das ihm wohl gesagt hätte, dass er in einem früheren Leben zusammen mit einem anderen Mann als Mönch zu diesem Kloster Lluc gepilgert wäre. Und deshalb wollte er sich hier jetzt umschauen. Er war mitten im Reden, als sich ein Mann früheren Jahrgangs sich hinter meinen Stuhl stellte. Ein Schweizer aus Bern, der zusammen mit seiner Frau hier war und die Tramuntana mit dem Auto erkundete. Er hatte uns und unseren Ausführungen über unsere Touren wohl zugehört und sagte uns in seinem süssen, schwyzer Dialekt, dass wir unbedingt noch Richtung Pollenca wandern müssten. Und schon sind wir wieder mitten in einem Gespräch. Dann stehe ich bei dem Berner Urgestein am Tisch und zeige ihm in unserem Reiseführer, welche Tour wir heute unternommen hatten, da kommt eine junge Frau an den Tisch und fragt mich, ob ich keine "Klettertour" hier in der Gegend wisse. Klettertour? So richtig? So mit Seil und Karabinern? Und schon sitze ich bei Thomas und Anke am Tisch und löchere die beiden zum Thema klettern. :-) Meine Güte, was ist dieser Abend interessant und aufregend! Ich betrachte Anke's Hände, die Finger fast ohne Nägel, dicke "Hornhaut-Kissen" an den Fingerunterseiten. Ich bin völlig geplättet, "so jemanden" mal en nature zu sehen. Es gibt wirklich noch vieles, das ich bewundere. Sie zeigt mir ihren Mallorca-Katalog mit den div. Schwierigkeitsgraden. Und dann gab es noch eine Menge neuer, fremder Wörter für mich wie " Riegel", "vorsteigen", "bb". Welche Felsen Morgensonne haben, welche Abendsonne usw. usw. wir beschliessen, morgen früh gemeinsam einen Kaffee zu trinken. Gefrühstückt wird sowohl bei den beiden als auch bei uns am nächsten morgen im Zimmer. Aber einen Café con Leche können wir ja leider noch nicht zaubern, weshalb das ein MUSS morgen früh sein wird. Oje, ich habe ganz Wolfgang, unseren netten jungen Mann vergessen, der sich zwischenzeitlich schon ins Bett verabschiedet hat. | Aber vielleicht sehen wir ihn dann morgen früh noch mal in der Messe, der Knabenchor des Klosters ist ganz berühmt und wir möchten uns dieses Highlight nicht entgehen lassen. | Vor unserem gemeinsamen Kaffee machen wir noch eine kleine Klosterrunde, gehen in die Kirche und bestaunten die schwarze Madonna, die den kleinen Jungen Lluc (dem Namensgeber des Klosters) auf dem Arm hat. Dann steigen wir eine Aussentreppe hoch und schauen uns die Sonnenuhr an, auf der man mangels Sonne leider noch nicht so viel erkennen kann. Danach machen wir uns auf den Weg zu dem kleinen Klosterladen, kaufen noch ein Baguette und diverse andere Köstlichkeiten für den Tag, um uns dann zu unserem wohlverdienten Morgen-Nass draussen mit den beiden Kletterern zu setzen. Um 11 Uhr wurde es dann Zeit für den Kirchengang. Die Kirche ist bis auf den letzten Platz gefüllt, wir bekommen nur noch einen Stehplatz gaaanz hinten, was aber völlig in Ordnung ist. So musste ich meinen zurechtgemachten Rucksack auch nicht mehr "ausziehen" (ja, ok. Ich habe mich da wohl nicht ordentlich, sprich: Kirchengerecht verhalten). Die Knaben sangen wirklich nicht schlecht, aber so richtig vom Hocker gehauen hat es mich dann auch nicht. |
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